Old but Gold

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„Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“

-So oder so ähnlich lautet mein neues Lebensmotto. Übersetzt heißt das: mein körperliches Alter liegt bei geschätzten 80, mein geistiges schwankt: wenn ich mich ernsthaft unterhalte habe ich durchaus die nötige Reife und Vernunft einer jungen Erwachsenen. Sind kleine flauschige Häschen, Lego, Haribo oder ähnliches anwesend, dann kann ich in 0,24 Sekunden zum Kleinkind mutieren. Meine Psychoonkologin (oder wie ich sie nenne: „Die Frau, die mir gar nichts gebracht hat und halt im Brustkrebs-Maximenü automatisch mit dabei ist -alias das Gürkchen auf dem Cheeseburger“) hat bei unserer ersten und einzigen Begegnung sofort ihr gesamtes analytisches Potential ausgeschöpft und aus den Kuscheltieren die mein Krankenhausbett bewacht haben die gewagte Hypothese ausgestellt, ich hätte mir mein inneres Kind bewahrt. Naja ehrlich gesagt, war es etwas unglücklicher. Meine „kleine Glücksarmee“, wie ich die 2 Schafe, 1 Rotkäpchenschaf, 1 Bärchen und mein lebensnotwendiges Kuschelkissen nenne, entlockte ihr den wohlüberlegten Satz: „Haben Sie etwa schon Kinder, oder gehört das Ihnen?“. Erstens denke ich, gehört es dazu, dass sie so etwas recherchiert BEVOR die gute mich besucht und zweitens ist es wirklich pietätvoll, so etwas einer jungen Krebspatientin an den Kopf zu hauen, deren Fertilität durch die Antihormontherapie in den Sternen steht. Ich bin da zwar sehr zuversichtlich, trotzdem nicht gerade das, was ich von einer Psychotante erwarte. Wie gesagt, es war unser einziges Gespräch 😀

Aber zurück zum Thema: ich bin jetzt glaub ich Rentner. Ich geh früh Schlafen, ich esse wenig, ich bin unheimlich wetterfühlig, mir tun alle Knochen weh, ich habe 1000 kleine Wehwehchen, ich hasse laute Geräusche auf der Straße (und eigentlich hasse ich Menschen, die jedes Geräusch nervt. Das ist jetzt schon ein gewisser Konflikt), usw… Jetzt frage ich mich nur: wo bleibt das monatliche Geld vom Staat, mein riesengroßes Monsterbonzenauto, mit dem ich alle anderen Verkehrsteilnehmer durch konsequentes Schleichen zur Weißglut treibe, mein Seniorenteller und meine Kaffeefahrt inklusive Heizdecke? 😦

Naja, man kann eben nicht alles haben 😉 Und das ist wohl auch besser so. Ein Plüschschäfchen sieht auf der Kofferraumabdeckung eines Mercedes nicht so toll aus und da find ich ja niemals nen Parkplatz. Und wenn ich als Seniorin gelte und dann mit meinem Chemonebel ankomme… nachher hält man mich noch für dement! Davon, dass der Kopf noch funktioniert, bin ich überzeugt. Zumindest nicht weniger als vorher. Ja Leute, ich war tatsächlich schon immer so (an dieser Stelle: liebe Grüße an meine Eltern. Wenn ich nicht so wäre, hättet ihr jetzt nicht so tolle Geschichten zu erzählen 😉 )

Vielleicht melde ich mich ja einfach mal für so eine Kaffeefahrt an? Schließlich ist das garantiert nicht zu anstrengend, Heizdecken sind ja eigentlich was tolles, ich lerne Menschen kennen, die wissen, wie es ist, wenn der Körper langsam aber sicher zur Zicke wird und das aller aller wichtigste:

Da gibt es Zwetschgenkuchen!!!!!! 😀

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Ein Kommentar zu “Old but Gold

  1. Maxilein, ich wäre noch mehr beunruhigt wenn ich nicht jeden Tag lesen dürfte, dass du dich nicht verändert hast. Küsschen von der stolzen lachenden Mama.

    P.S. Ich war niemals glücklicher ,dass ich solch eine tolle Tochter habe

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