Am Anfang war die Waschmaschine

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Ich erzähle die Geschichte immer und immer wieder. Wenn ich sie jetzt hier ein mal schreibe, kann ich zukünftig einfach Links verteilen, als meinen Text runterzuleiern. Für sowas ist mein Leben glaub zu kurz geworden 😀 Spaß bei Seite, dass man das wissen möchte, versteh ich voll. Um was es überhaupt geht? Na, ganz einfach…..

How I met my Onkologe- wie ich meinen Krebs kennenlernte

Zur Mammographie geht man ja eigentlich erst mit 50. Also könnt ihr euch ja denken, dass es nicht gerade bei der Standarduntersuchung im Mammamobil (kennt ihr das? :D) gefunden wurde. Davon trennen mich ja fast noch 30 Jahre.

Hmm wo fange ich an? Die ganze Geschichte fing ziemlich genau ein Jahr vor der Diagnose an: beim Duschen habe ich es bemerkt. Ein Knoten. Batz. Da rastet man erst mal so richtig aus. Das rote Blinklicht geht an, Sirenen dröhnen und der Puls steigt auf gefühlte 3000. An die weiblichen Leser: Solltet ihr euch jemals fragen, ob ihr einen Knoten habt -Nein. Denn wenn ihr euch diese Frage stellen müsst, dann habt ihr keinen. Glaubt mir, wenn ihr einen habt, dann spürt ihr das so deutlich, dass ihr nicht mehr fragen müsst. Dann gleich zum Frauenarzt und ENTWARNUNG. War alles gutartig. Eine Mastopathie. Das kriegen Frauen oft. Also hab ich mir auch keine Gedanken mehr darüber gemacht. Dass der Krebsarsch jetzt in der Brust gewachsen ist, war wohl nur Zufall und hing damit nicht zusammen.

Und dann, ein Jahr später? Da ging ich einfach mal wieder zum Frauenarzt. Und Leute, ich weiß nicht, wieso. Und es lässt mir keine Ruhe. Das Kapitel war ja eigentlich abgehakt. Aber ich wollte einen Ultraschall der Brust. Das ist ja nicht im Standardpaket dabei. Egal, ich wollte es. Die 45€ waren mir schnuppe.

Diese Entscheidung hat mein Leben gerettet.

Naja im Nachhinein denke ich, es waren 2 Dinge, die das getan haben: einmal meine göttliche Eingebung, das ganze doch nochmal untersuchen zu lassen. Und zum zweiten mein Frauenarzt. Viele Gynäkologen hätten da nicht weiter nachgeforscht. „Brustkrebs mit 22? Das gibts doch eh nicht.“ Mein Gott… dann würde ich jetzt noch ahnungslos an der FH sitzen, vielleicht schon mit der ersten Metastase. Und das ganze würde weiter munter vor sich hin wachsen. Irgendwann hätte man es bemerkt -aber dann würde ich wohl auf der Palliativstation sitzen.

Im Ultraschall war Microkalk sichtbar. Mein erster Gedanke: ich bin eine alte Waschmaschine 😀 Mein Supermegafrauenarzt meinte dann: „Kann mal passieren. Aber ich schicke Sie zur Mammographie zur Sicherheit. Ich rufe da an, dann können Sie morgen gleich gehen.“ Ich hab mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht -und er auch nicht. Also: dann zur Mammographie. Da hab ich dann zum ersten mal bemerkt, dass da was ganz und gar nicht stimmt. So ne Mammographie tut ja an sich schon weh. Aber die unartige Brust hat so viel mehr Schmerzen bereitet als die brave (manchmal hab ich mich gefühlt, wie es aus TV und Fernsehen bekannt ist: rechts das Teufelchen, links das Engelchen 😉 ). Und das Gesicht der Radiologin war auch alles andere als begeistert. Aber den Krebsarsch, den hat man nicht gesehen. Der hat sich total toll hinter dem Kalk versteckt. Bis heute gibt es keine Abbildung von meinem Krebs. Wie er genau aussah, konnte man erst im Labor feststellen. Der Idiot war an 2 Stellen gewachsen: einmal 6,5 und einmal 1,5 cm; mit lauter kleinen Herden zwischendrin.

Verdacht nach Mammographie: DCIS- eine Krebsvorstufe. Das kann nicht streuen, wird wegoperiert und gut is. Und das dann im Format 7x8x4,5cm. Also die ganze Brust 😀 Mit diesem Verdacht wurde ich dann ins Krankenhaus zur Gewebeprobe geschickt. Und da hat man dann erst gemerkt, was sich da versteckt hatte –

ein bösartiger Brustkrebs.

Ja. So lief das ab. Ich will es noch einmal betonen: Routineuntersuchungen bei guten Ärzten retten Leben! Ich hätte nie nie nie gedacht, dass es mich mal trifft. Es kann jeden treffen. Und es bringt überhaupt nichts, das abzustreiten und deshalb nicht zur Vorsorge zu gehen. Gesunde Ernährung, gesunder Lebenswandel und Sport und so? Ja Leute, war bei mir auch so und jetzt? Im Ernstfall habt ihr nur eine Chance, wenn ihr wisst, woran ihr seid. Und dass eine Diagnose kein Todesurteil ist, das lasst euch mal von einer zukünftigen Überlebenden sagen 😉

Also. Jetzt habe ich meinen Missionierungsauftrag hoffentlich erfüllt. Und immer dran denken: NUR PUSSYS GEHEN NICHT ZUR VORSORGE! 😉

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3 Kommentare zu “Am Anfang war die Waschmaschine

  1. Vorsorge ist wichtig, da gibts nix dran zu rütteln.

    Was ich aber unverschämt finde, dass bei den Routineuntersuchungen viele Dinge, die zur schnelleren und sicheren Erkennung solcher Krankheiten, einfach nicht enthalten sind. Nein, die bekommt man nur auf eigene Nachfrage oder Drängen oder der Arzt ‚verkauft‘ sie einem. Zahlen muss man dann natürlich selbst, denn die Krankenkassen scheinen es dann doch nicht ganz so ernst mit unserer Gesundheit zu haben, als dass sie solche Untersuchungen übernehmen würden. Bei jemandem, der bislang keinen Verdacht hegt und keine Schmerzen hat, entdeckt man es dann meist erst, wenns zu spät ist- auch wenn er regelmäßig zum Arzt geht.

    Krebs ist halt ein Arschloch – sagt nix, tut nix, und wenn, dann ists meistens schon zu spät^^

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    • Da hast du so recht!

      Den Ultraschall, wo man wirklich viel sieht, den zahlt die Kasse nicht. Egal in welchem Alter. Ich finde das so blödsinnig. Aber das hat bestimmt jemand „ausgerechnet“, was sich lohnt und was nicht (und zwar für die Kasse, nicht für die Gesundheit)

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