Bachelor of Handarbeit

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Das Rezept für einen Blogg-Artikel:

Man nehme eine Glatzimaxi, setze sie an den Laptop und lässt sie einfach mal drauf los tippen. Fertig.

Viel mehr passiert da wirklich nicht. Ich mache mir nie lange Gedanken, sondern schreibe einfach drauf los. Und was am Ende dabei rauskommt, das überrascht mich meistens selbst. Achtung Spoiler-Alarm: heute wird es nicht lustig. Ich bin nämlich mies drauf. Jaa… ich hab da mal was über Zufriedenheit geschrieben (Was geht mich mein Geschwätz von gestern an? 😀 ). Das Problem ist glaub, dass gerade eine Eigenschaft strapaziert wird, die ich überhaupt gar nicht habe: Geduld. Ich bin kein bisschen geduldig. Und am wenigsten Geduld habe ich mir selbst gegenüber.

Ich liege tagelang wie ein Harz4-empfangender Zellklumpen nur rum. Ich liege im Bett, ich liege auf dem Sofa, beim Arzt im Wartezimmer penne ich im sitzen (da liege ich dann ausnahmsweise nicht). Immer die gleiche Aussicht aus dem Fenster, immer das gleich behinderte Fernsehprogramm. Ich habe tatsächlich 6 Mützen in den letzten Wochen gehäkelt. Am Anfang der Chemo konnte ich noch länger sitzen, da hab ich dann Kosmetiktäschchen genäht. Inzwischen kann ich nicht mehr lange sitzen -und die Nähmaschine ist auch kaputt. Das Internet wird irgendwann auch eintönig.

(Wähwähwäh flennte das Kind). Ich bin in so kurzer Zeit so verdammt Oma geworden. Ich hab ja schonmal darüber gejammert. Aber es ist wirklich so! Und das nervt. Ein junger Geist in einem alten Körper funktioniert einfach nicht. Ich kann damit an manchen Tagen gut umgehen, an manchen schlecht. Heute schlecht.

Wofür ich den Krebs am meisten Hasse: er ist ein verdammter Dieb. Er stiehlt mir so viele Erlebnisse, so viel Zeit mit Freunden, so viele geile Abende, so viele verpasste Umarmungen, so viele Eindrücke, so viele Lacher und so viel Normalität. Ich versuche, so normal zu Leben wie es geht. Das klappt immer öfter nicht. Und immer, wenn es nicht klappt, dann werde ich so wütend! Auf mich, weil ich mal wieder der Krankheit nachgegeben habe, auf den Krebs, auf diesen ganzen unnötigen Mist. Das braucht doch keiner. Ich komm mir dann so schwach vor, weil ich meiner Schwäche Raum gebe. Ich hasse hasse hasse dich Krebs. Du nimmst Eltern die Kinder, Kindern die Eltern, Freunden die Freunde, Verliebten den Partner, Betroffenen das gewohnte Leben. Du bist so scheiße. Ach fick dich einfach! (und schon ist der Blog ü18). Ich hoffe so sehr, dass du richtig Leidest gerade. Allein schon um dir so richtig weh zu tun zieh ich die Chemo durch!

Macht euch keine Sorgen. Ich klappe nicht zusammen. Ich werde meine Fröhlichkeit nicht verlieren. Morgen sitze ich wahrscheinlich schon wieder am Laptop und schau mir irgendein hohles Video an und kann herzlich lachen. Aber heute bin ich gefrustet. Ich habe Krebs und es muss mir nicht jeden Tag gut gehen. Ich muss hier einfach manchmal abladen.

So. Jetzt schaue ich erst mal, wo es einen Volkshochschulkurs mit dem Titel „Alt sein für Fortgeschrittene“ gibt. Da finde ich vielleicht noch ne Alternative zum Häkeln.

Apropos: braucht noch jemand Topflappen?

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