2×3 macht 4… und keine Leukos machen einsam

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Ich komm mir gerade sehr doof vor. Meistens bin ich gut gelaunt, lache eigentlich so gut wie immer und stecke das alles irgendwie weg. Aber der Ablageort, wo das alles hinwandert, ist heute voll. Kein Platz, die Sorgen wegzuschieben und keine Kraft, dem Krebs „This is Spartaaaaaaaaa!“ ins Gesicht zu brüllen.Und wenn das so ist, dann fühl ich mich so schlecht! Es gibt so unendlich viel schlimmeres! Was will ich denn noch? Ich hab doch keine Fernmetastasen. Was stell ich mich so doof an? Ich will so echt nicht sein. Trotzdem bin ich heute traurig…. irgendwie fühl ich mich da so undankbar.

Das liegt glaub echt am Krankenhaus. Meine Blutwerte kacken ab und ich bin in der Umkehrisolation. Das bedeutet, dass ich abgeschirmt werde von jeder Virusquelle (alias Mitmenschen). Man muss offensichtlich nicht unbedingt Privatpatient sein, um ein Einzelzimmer zu bekommen.  Pflegepersonal kommt mit Mundschutz, Besuch kommt gar keiner. Und dann liege ich hier und warte, ob Fieber kommt. Das nervt. Wenn Fieber kommt, dann ist das nicht mehr so lustig. Kommt keins und die Blutwerte gehen wieder hoch, dann darf ich irgendwann wieder gehen.

Immer wenn ich stationär hier bin, fühl ich mich irgendwie hilflos. In der Ambulanz und bei sämtlichen Untersuchungen stolziere ich hoch erhobenen Hauptes durch die Gänge und fühle mich Herrin der Lage. Hier liege ich im Bettchen, fühle mich so allein…. In diesem weißen Zimmer mit dem blauen Boden in diesem rieeeesigen Krankenhaus voller Krankheit und schwerer Schicksale und sonstiger unnötiger Scheiße.

Und dann wär ich einfach so gerne wieder ein Kind.

In letzter Zeit denke ich ganz oft an meine Kindheit. Ich höre gerne die Hörspiele von früher, brauche meine Kuscheltiere wieder so sehr. Am liebsten wär ich wieder in der Schule. Am besten in der Grundschule. Dann würde ich jetzt wahrscheinlich mit meiner Mama Plätzchen backen oder so lange im Schnee spielen, bis ich rein muss. Nicht, weil ich total außer Atem bin wie gerade immer, sondern weil es dunkel wird. Vor einem Jahr noch hätte ich das niemals gewollt. „Nochmal Kind sein? Neee dann nochmal die ganze Schule? Jetzt macht das Leben doch viel mehr Spaß!“ Inzwischen sehne ich mich ganz arg danach. Ich glaube, das ist, weil das alles so positiv war als Kind. Erwachsen bin ich noch nicht so lang. Und mein erwachsenen Leben macht jetzt echt nicht so viel Spaß gerade.

„Glatzimaxi und die KrebsCHALLENGE“. Challenge, Herausforderung. Das Leben stellt mich da vor eine Herausforderung, die mich in einen Zwiespalt treibt in meinem Alter. Natürlich möchte man mit Anfang 20 erwachsen sein. Erwachsen und unabhängig und reif. Aber ist man das denn auch wirklich? Ich werd einfach gar nicht gefragt, es wird von mir verlangt. Ich rutsch da in so eine Grauzone des Gesundheitswesens. Ich bin zu alt für eine Jugendonkologie aber ganz ehrlich: ich bin mir manchmal nicht sicher, ob ich schon alt genug bin für die gynäkologische Onkologie.

So oft höre ich: „Du bist so stark.“ „Du bist so abgeklärt und wirkst so gelassen.“ Heute bin ich nicht stark. Heute will ich mein Kuschelschäfchen drücken und dabei umarmt werden. Heute bräuchte ich eine Kuscheleinheit. Aber heute muss ich isoliert sein. Heute möchte ich gerne weinen. Heute will ich einfach nicht erwachsen sein müssen sondern dem Kind in mir Platz machen und hoffen, dass jemand kommt und das für mich regelt.

Aber das weinen bringt nichts. Es wird keiner kommen und mir das abnehmen. Diese Zeiten sind vorbei. Ich muss da einfach durch. Ich bin auch viel lieber stark. Ich seh mich gerne als Kämpferin. Als Superheldin. Als Amazone. Das passt viel besser zu meinem Selbstbild. Dem Krebs in den Popo treten mit aller Kraft. Fertig machen, was mich fertig macht. An Tagen wie heute widere ich mich selber an mit dem ganzen Gejammer. Und dieser Post widert mich auch an. Ich musste es einfach mal schreiben, um es los zu werden. Vielleicht lösche ich ihn wieder, wenn es mir besser geht. Weil dann will ich wieder stark sein und kämpfen und nicht an das kleine Kind denken. Das hat dann wieder „Hausarrest“ irgendwo in mir drin.

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7 Kommentare zu “2×3 macht 4… und keine Leukos machen einsam

  1. Auch du darfst mal durchhängen und traurig sein. Heule dich ruhig richtig aus, da ist bestimmt jemand der dir seine Schulter leiht. Kämpfen kannst du auch wieder Morgen. Wobei, kämpfen tust du auch wenn du weinst. Durchhängen heißt nicht aufgeben. Ich möchte dir so gerne die süßesten Kuscheltiere mit den größten Kulleraugen schicken, eine Hörspielkassette einlegen und dich mit ganz viel Schoki eindecken und dich in den Arm nehmen. Du hast allen Grund mit den Nerven auch mal runter zu sein, keiner hält dich deshalb für schwach. Fühl dich gedrückt. ❤

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  2. Ich komm hier immer mal wieder leise vorbei…auch ich möchte mich heute gern zu dir auf die Bettkante setzen und dich ein bisschen trösten. Dich ne Runde drücken. Einfach da sein, dass die Zeit schneller vergeht…
    So muss ich dich eben in Gedanken drücken – du darfst auch mal weinen, auch wenn du nicht willst 😉 das macht dich nicht weniger stark und nicht weniger kämpferisch. Du bist ne Kämpferin und zwar auf ganzer Linie auch wenn dir heute nicht danach ist 😉
    Ich wünsche dir, dass du schnellstmöglichst aus der Isozelle raus darfst. Dass deine Werte sich schnell verbessern (warte ich trete den Leukos mal eben in den A****), dass kein Fieber dazu kommt und du morgen wieder lächeln kannst ♥
    Lieben Gruß ♥

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  3. Ich kann es sehr gut nachvollziehen. Mit der Unbeschwertheit, dem Kindsein, der großen Welt die da auf einen wartet, mit ihrer Rücksicht auf das Zerbrechliche, wenn man klein ist.
    Die Filme u Plüschfreunde können sehr gut und unterstützend helfen.
    Ich würde dich gern in den Arm nehmen und auf dem Zimmer eine Plüschfilmparty mit dir steigen lassen. Ich habe gerade Plätzchen gebacken.Schon ewig her!!!
    Ich würde dir gerne welche abfüllen und sie dann mit dir, Kaffee, Tee oder Kakao wegputzen.
    Halte durch und schreib dir alles von der Seele. Es hat nichts mit Schwäche zu tun sondern mit Ausmisten. Man müllt sich nämlich immer im Leben zu. Also gerade jetzt erst recht 😉
    Alles Liebe und gute Besserung 🍀 💜 🍀
    Liebste Grüße aus Hannover

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  4. Mein Schätzchen, solange ich lebe wirst du immer mein Maxilein sein. Auch wenn ich dich in dein eigenes Leben entlassen habe und du jetzt meine ganz große bist. Ich drück dich ganz fest und wenn es dir nächste Weihnachten wieder gut geht können wir wieder zusammen Plätzchen backen.

    Auch wenn ich jetzt nicht bei dir sein kann bist du gar nie alleine.

    Dickes Bussi von deiner Mama
    Ich hab dich mega lieb mein Kätzchen ❤

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