Ctrl+Alt+Del -> Klammergriff für das Krebsprogramm

Kontrolle ist etwas ganz wichtiges. Wenn man erwachsen ist, will man sein Leben selbst in die Hand nehmen. Man soll es selbst in die Hand nehmen. Man gaukelt sich immer vor, man hätte das Leben fest im Griff und man sei selbst Herrin der Lage.

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Seit der Diagnose ist das mit der Kontrolle zum Tauziehen zwischen mir und der Krankheit geworden. Ein ständiger Kraftakt um die Vorherrschaft über mein Leben. Man ist ja schließlich noch Mensch, nicht nur Patient und auch noch jung und nicht nur krank. Und dann sieht man es gar nicht ein, seine Freizeitplanung zum Beispiel an die Leukozyten anzupassen. Das Problem fängt aber schon da an: Freizeitplanung. Freizeit? Tja, Krebspatienten haben keinen Urlaub oder Feierabend. Das Spielchen läuft rund um die Uhr.

Gerade tickt die Krebsuhr wahnsinnig Laut in meiner Psyche rum. Der Krebs zieht mit wahnsinniger Kraft am Kontrolltau und ich muss ein Stückchen nachgeben. Ich hab verdammte Angst vor Morgen. Angst Angst Angst Angst Angst. Der Termin schwirrt wie eine lästige Fliege permanent in meinen Gedanken umher. „Pssss Psssss Psssss….“ scheiß Fliegen! Verdammt, hat keiner eine Fliegenklatsche?

Ich bin mir fast sicher, dass ich Morgen das erste Mal anderer Meinung sein werde als die Ärzte. Und auf die Situation bin ich schon wahnsinnig gespannt. Ich weiß ganz genau was ich will. Es ist mein Körper. Ich bin die Patientin und ich will das genau so und kein Stück anders. Aber ob ich es schaffe, das dort auch so klar zu sagen…. Und was, wenn es trotz allem heißt: „Nein, machen wir nicht.“? Ich will nichts total abnormales. Aber es ist mir wichtig. Ich glaub, wenn es mir da nicht nach dem Kopf geht, kann ich mich gleich in der psychoonkologischen Abteilung anmelden. Ich zieh schon mit beiden Armen am Krebstau, eigentlich bräuchte ich schon einen dritten für Krankenkasse und Co. Ich hab keine freien Kapazitäten um meine Kräfte auch noch mit den Ärzten zu messen.

Tja, Kontrolle. Gerade hab ich versucht, die Kontrolle über den Termin Morgen ein bisschen zu kriegen. Ärzte gehen meiner Meinung nach besser vorbereitet in solche Gespräche. Sie wissen, was geredet wird. Sie kennen die Fakten und sie haben das Fachwissen. Ich HASSE es, wenn es um mich geht und ich trotzdem die im Raum bin, die am wenigsten bescheid weiß. Natürlich wäre es auch beängstigend, wenn ich den Ärzten die Chemo erklären müsste. „Oh Gott, nein! Ich bekomme die Chemo immer in 500 ml NaCl, nicht in 250!“ Aber so eine kleine Agenda wäre vorher ja nicht schlecht. Ich versuch dieses Machtungleichgewicht dann vorher immer auszugleichen. Ich habe eine kleine Mappe, in die packe ich am Abend vorher immer alles, was ich irgendwie für den Termin brauchen könnte. Außerdem ist da so das Patientengrundversorgungspaket drin, Röntgenpass und solche Späße. Und dann schreib ich mir immer auf, was ich fragen bzw klären will. Nennt mich gestört, aber ich geh besser vorbereitet in so manches Gespräch im Krankenhaus als in meine Abiturprüfungen.

Natürlich ist das nur Illusion. Eine Mappe mit ein paar Fragen und Befunden bringt mir kein bisschen Kontrolle über diesen ganzen Wahninn. Aber irgendwie kann ich mir das so wenigstens ein bisschen einreden und wenn ich denke, ich hätte Kontrolle, habe ich ein klein wenig weniger Angst. Wenigstens ein klitzekleines bisschen.

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6 Kommentare zu “Ctrl+Alt+Del -> Klammergriff für das Krebsprogramm

    • Liebe Jana, kann es sein, dass ich eine falsche Handynummer von Ihnen habe? Jedenfalls ist ein kleines „Dankeschön“ auf dem Weg zu Ihnen. Ich hab mich gefreut wie Bolle aufm Milchwagen und kann es immer noch gar nicht fassen!!!!!

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      • Oh das Sie sich gefreut haben, war die Hauptsache!!!!!!!!!!!!!!!! Das freut mich jetzt wiederum ganz doll:D!!!!!! Lese Ihren Blog regelmäßig und finde, Sie haben den Rhetorik-Oscar verdient!!! Großartig, mutmachend, ehrlich, „ungeschönt“ und dennoch immer mit einem Augenzwinkern! Weiß manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll und mache dann einfach beides!!!!!!!!! Ganz ganz liebe Grüße!!

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  1. Hallo Maxi,

    denk immer dran: Du hast mehr gesunde Zellen im Körper als Kranke!
    Wir haben nicht mit dem Krebs gerechnet,
    er aber auch nicht mit uns.
    Take Control, keiner kennt dich und deinen Körper besser als du selbst. Meistens ist die Bauchentscheidung die Richtige.
    Sonnige Grüße!

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  2. Hallo Maxi,

    also ich finde so Vorbereitungen vor einem solchen Termin absolut angebracht, vernünftig und sinnvoll.
    Ich habe auch immer wenigstens eine Themenliste in der Tasche. Ich habe auch keinerlei Problem, wenn Ärzte nicht so wollen wie ich, einfach die Praxis zu wechseln. Im Notfall auch mehrfach, bis es eben paßt.
    Ich predige auch immer: Dein Körper, Dein Leben, Du entscheidest. Die Ärzte dürfen beraten, aufklären und erklären, aber die Entscheidung liegt alleine beim Patienten.
    Ich habe diese Geschichte ja schon ein paar Jahre und man entwickelt auch eine Hartnäckigkeit. Du bist auf einem guten Weg, mach weiter so. Du mußt das tun, was Du für Dich als richtig empfindest.

    Gruß Sue

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