so schön verstrahlt

 

Ich danke allen, die heute an mich gedacht haben und ihre Daumen fleißig gedrückt haben 🙂 Es ist alles GUT! Ich habe keine Metastasen. Es ist so wunderbar und schön und erleichternd und einfach nur toll.

Dieser Tag war wirklich ein Sargnagel-Tag…. Jetzt hab ich mindestens 10 graue Haare mehr. Ich geb es ja ungern zu, aber ich bin tatsächlich ergraut letztes Jahr. Damit meine ich jetzt nicht die weißen Ersthaarflusen, die man nach der Chemo bekommt. Ne, die richtigen Haare sind teilweise grau. Toll. Ganz toll. Grau mit 23. Läuft. Meine neue Freundin heißt übrigens Poly Palette und macht mir die Haare schön.

Jedenfalls hätte ich um 9:30 den Termin gehabt für die Spritze. Wir saßen da dann so rum und plötzlich beginnt der uuuuuunglaublich freundliche und gut gelaunte Rezeptionswachhund in der Nuklearmedizin allen, die heute Knochenszintigraphie gehabt hätten, abzusagen. Supi. Ich hab schon überlegt, wie viel Alkohol wohl nötig wäre, die Zeit bis Dienstag zu überbrücken, wenn der Termin dahin verschoben worden wäre. Andere Zählen auf 10 um sich zu beruhigen, ich zähle Weinflaschen. Jedenfalls hatte ich Glück. Die haben 2 Geräte und nur eins war kaputt. Um 10:40 gabs dann die nukleare Superspritze. Ja wirklich, das Zeugs ist nuklear. Radioactive Maxi. Ich sollte jetzt ne Weile von Schwangeren und Kindern fern bleiben. Ehrlich gesagt kann das irgendwie nicht gesund sein, aber was muss, muss. Man macht das ja nicht jeden Tag. Das Leuchten im Dunkeln ist übrigens normal.

Dann muss man 3 Stunden warten, damit das einwirkt und in der ersten Stunde mindestens 1L Wasser trinken. Klingt leichter, als es ist. Kampftrinken. Wenns einem eh schon übel ist vor Nervosität und dann noch ordentlich Wasser draufkippen…. keine gute Idee. Aber dann hat man wenigstens was zu tun: Pipi machen. Irgendwann kommt es unten raus wie es oben rein läuft. Zumindest kam es mir so vor.

3 Stunden können elendig lang sein…. eeeeelendig lang. Die Wartezeiten waren wegen den technischen Problemen heute da echt nicht ohne. Da werden aus 3 Stunden schnell 4 oder 5. Aber so ist das halt eben. Man kriegt schon Sitzfleisch als Dauerpatient. Das beste ist halt echt, die alten Leute dann zu beobachten 😀 Hahaha. Sorry, aber da kann ich echt nur lachen. Prinzipiell haben die bei Ärzten immer Angst, irgendwie zu kurz zu kommen. „Haben Sie mich vergessen?“ „Heute dauert es aber lange.“ „Ich warte schon 5 Minuten!“ Es gibt nur eins, was noch schlimmer ist: Angehörige von alten Leuten. Die haben nämlich einfach keinen Bock zu warten. Und obwohl Oma Hildegard eigentlich ganz zufrieden in ihrem Rolli aussieht mit dem Bunten Blatt auf dem Schoß, stehen die lieben Verwandten alle 2 Minuten auf der Matte „Meine Mutter kann nicht so lange warten!“ Nur gut, dass die Angestellten ihre Pappenheimer kennen und trotz aller Beschwerden die Reihenfolge immer einhalten. Wer zuerst den Termin hat, kommt zuerst dran (Notfälle natürlich ausgenommen!).  Und nicht der, der zuerst da ist. Man kann ja nicht einfach 2 Stunden früher kommen und dann vor allen anderen dran kommen wollen. Sollte logisch sein. Ab einem gewissen Alter geht diese Einsicht aber offensichtlich verloren. Ich hab echt schon oft von Rentnern gelesen, die in einer Arztpraxis vergessen wurden und man es erst nach 14 Tagen bemerkt hat, als es in einer Ecke im Wartezimmer zu stinken angefangen hat. Steht ja fast täglich mit vielen weiteren gut recherchierten und inhaltlich wertvollen Artikeln in der BILD.

Gerade, als sich die armen verbünden wollten (drängelt ja, im Altersheim gibts schließlich um 17:00 Abendessen und nachher wird das Brot noch kalt)  um das Arztzimmer zu stürmen, kam dann zum Glück der Techniker Peter. Wieso ich weiß, wie der hieß? Tja, wenn ein Tag scheiße ist, dann schon so richtig. Ich lag dann irgendwann eeeeeendlich unter der Gamma-Kamera. Genau als diese schöne Platte 5mm über meinem Kopf schwebte, stürzte das Gerät ab. Also nicht auf mich drauf, aber der Computer sagte „Nein“. Geil. Sargdeckelausblick. „Peter!!! Peter bist du noch da? Ich hab hier auch ein technisches Problem.“ Die Assistentin hat ihn zum Glück noch erwischt. Von meinem Vater weiß ich, dass Peter schon am Aufzug stand. Zum Glück reagiert der langsam… sonst hätte ich wohl ein ähnliches Schicksal gehabt, wie der vergessene Rentner. Ich hätte wahrscheinlich für immer unter der Kamera liegen bleiben müssen…Gefühlte 3 Stunden später war ich dann endlich wieder frei.

Ich machs kurz: alles jut. Die Schmerzen kommen nicht von Metastasen. Nächste Woche wird weiter geplant, was man jetzt macht. Behandeln muss man es ja trotzdem. Aber jetzt ist erst einmal Wochenende. Egal,wie das hier klingt: ich habe eine Horrorwoche hinter mir. Zu viele Untersuchungen, zu viel Stress. Ich brauch jetzt Wochenende…. Nachuntersuchungen sind unvorstellbarer Stress. Aber ich habs geschafft. 3 grüne Haken, 3 weitere Monate krebsfrei 😉 😉 😉 Hoch die Hände! Wochenendeeeee!

https://www.youtube.com/watch?v=_RjwtY-onQ8 hihihihi

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Film ab!

52983910 Die Türen werden geschlossen, das Licht geht aus, der Vorhang wird zur Seite gefahren. Ich sitze in der letzten Reihe in der Mitte, der beste Platz im ganzen Kino mit ordentlich viel Popcorn auf dem Schoß, so wie es sich halt gehört. Der Film geht los! Und was steht da in großen leuchtenden Buchstaben auf der Leinwand?

Willkommen in Maxis Kopfkino

Tja, mein Kopfkino 😀 Dagegen sind Filme wie „Stirb langsam“ oder „the Ring“ Kinderprogramm. Richtig spannend wird’s schließlich erst, wenns um Rezidive, Metastasen und Co. geht. Die gehen einem schließlich im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Es ist immer wieder erstaunlich. In jedem anderen Kino ist vor allem an einem regnerischen Sonntag richtig viel los. In meinem Kino ist immer ein paar Wochen relativ ruhig und je näher eine Untersuchung rückt, umso öfters rattert der Projektor bunte Bilder an die Leinwand.

Kommende Woche hab ich zwei Untersuchungen, Dienstag und Mittwoch und Dienstag werd ich erfahren, was wann noch so gemacht wird. Krebssucherei… widerliche Sache. Erste Szene im Film „Metastasen-panikroom“: Maxi sitzt entspannt da und denkt Es wird ja schon nichts sein. Szene 2: Maxi sitzt nicht mehr ganz so entspannt da ...Aaaaber was wenn doch? Dritte Szene: Maxi steht auf Oh man Maxi, bei dem scheiß ist einfach alles möglich. Szene Nummer 4: Maxi rennt panisch im Raum hin und her, ohne Sinn  😀

Das klingt so, als wär ich ein Kaputtzky.  Aber zu meiner Verteidigung: ich hab eine ganz entscheidende Lektion erhalten letztes Jahr. Du kannst noch so denken, dass da nichts ist und es kann noch so unwahrscheinlich sein – wenn du Pech hast, trifft es dich. Alles ist möglich und dafür braucht man nicht mal soooo viel Imaginationsvermögen.  Das ist nicht nur irgendein Fantasyfilm, was da in meinem Kopfkino läuft. Die Sachen sind leider ziemlich realitätsnah.

Gut ist, dass ich nicht meine ganze Freizeit in meinem Kino verbringe. Wär ja auch viel zu Schade bei dem Wetter gerade. Ich schlepp mich raus, lenk mich ab und stopfe Essen in mich rein. Ja, wirklich. Weil ein gesunder Körper zunehmen kann und ich das, nach dem Gewichtsdebakel in letzter Zeit, jetzt einfach mal auf Teufel komm raus probiere. Das wird Dienstag nämlich wieder eine der ersten und nervigsten Fragen sein „Was macht das Gewicht?“. Naja, solang es Weight-Watching und nicht Whale-Watching ist, beschwer ich mich mal lieber nicht. Ist halt leider auch ein Dauerbrenner im Kopfkino: die ungewollte Gewichtsabnahme und was das Karzinom damit zu tun hat.

Tja, hilft alles nichts. Alles spekulieren, fantasieren und jede Hysterie im Kopfkino hat ein offenes Ende. Ich hasse offene Enden. Aber so lange man den Röntgenblick nicht erfindet, so lange wird sich am Kopfkino auch nichts ändern. Dieses Thema kennen leider alle Krebspatienten und ich finde, wir haben das alle ganz gut im Griff. Das schlimmste haben wir ja eigentlich (zumindest fürs erste) hinter uns. Ich hoff einfach, dass die Zeit bis Dienstag schnell vorbei geht und dass alles, was im Kopfkino passiert Fiktion bleibt und nicht irgendwann auf der Leinwand „nach einer wahren Geschichte“ steht. Für Euch, für mich, für alle ❤

Ich wünsche mir

Ich wünsche mir
einen Tag ohne Krebs
 
Einen Tag mit 8 Stunden Schlaf
Einen Tag mit Wind in den Haaren und glänzenden Augen
Einen Tag ohne Schmerzen
Einen Tag ohne Krankenhaus und ohne Arzt
Einen Tag mit Essen, das nach Essen schmeckt
Einen Tag mit Erdbeereis in der Mittagssonne
Einen Tag mit Shampoo, Haarkur, Haarspray und Flechtfrisur
Einen Tag mit guten Blutwerten
Einen Tag mit Bügel-BH
Einen Tag mit Zukunft ohne Zukunftsangst
Einen Tag mit Dekolleté
Einen Tag ohne Narben
Einen Tag mit Freunden und Familie
Einen Tag ohne dunkle Gedanken und Angst
Einen Tag mit Sauna und Schwimmbad
Einen Tag, an dem du so weit laufen kannst, wie du magst
Einen Tag mit Sekt zum Frühstück
Einen Tag ohne Medikamente
Einen Tag ohne Schmerzen beim Schlucken
Einen Tag mit Kraft in jeder Faser deines Körpers
Einen Tag ohne Chemoport
Einen Tag voller Lachen
 
Ich wünsche mir nur einen Tag ohne Krebs.